Kita Elsa // Grunewald

Kindertagesstätte // Nutzungsänderung
Bauherrin: Spielart Grün gGmbH
Fotos: STUDIO PLAYA und Florian Hirsch
Landschaftsplanung: Parzelle X
2023-2025

Das denkmalgeschützte Elsa-Brändström-Haus im Grunewald erzählt eine Geschichte der Transformation: Nach nur zwei Jahrzehnten als repräsentatives Wohnhaus wurde es bereits in den 1950er Jahren zu sozialen Zwecken umgenutzt – zunächst als Pflegeheim, später als betreute Wohngruppe.

Die dafür vorgenommenen Umbauten haben viele der ursprünglichen räumlichen Qualitäten und Materialien verdeckt oder verloren gehen lassen. Mit dem Einzug der „Kita Elsa“ und ihren 90 Betreuungsplätzen bot sich nun die Chance diese wieder freizulegen, behutsam und nachhaltig zu sanieren und entsprechend den heutigen Anforderungen an eine Kinderbetreuungseinrichtung anzupassen.

// Materialität und Nachhaltigkeit
Der Ansatz des zirkulären Bauens durchzog das gesamte Projekt wie ein roter Faden. Vorhandene Baustoffe fanden neue Verwendung vor Ort, während nicht mehr benötigte Materialien wie Bodenbeläge, Türen und Terrassenplatten anderen Projekten zugeführt wurden. Neue Materialien wurden konsequent sortenrein und reversibel befestigt, bio-basierte und langlebige Baustoffe bevorzugt.

Die Wiederherstellung der ursprünglichen Raumhöhen durch Entfernung der abgehangenen Decken offenbarte teils stuckverzierte Originaldecken, die durch textilbespannte Akustiksegel und neue Beleuchtung ergänzt wurden. So entstand eine gelungene Symbiose aus historischer Substanz und zeitgemäßer Funktionalität.

Ein durchgängiges, geöltes Massivholzparkett im Fischgrätmuster verbindet Pädagogikräume und Flure schwellenlos miteinander und unterstreicht durch großzügige Schiebetüren zwischen den Gruppenräumen die flexible Raumnutzung. Diese gestalterische Entscheidung schafft räumliche Kontinuität und fördert die pädagogische Nutzung.

Die neu errichteten Innenwände zB. zur Abtrennung der Sanitärräume sind aus Holzständerwerk errichtet und mit Lehmbauplatten verkleidet. Recycelte Jutematten fungieren als Schalldämmung. Die neuen und bestehenden Wände wurden mit Sichtlehm verputzt. Die zwei Zentimeter dicken Sichtlehmaufbauschichten regulieren die Luftfeuchte und schaffen ein natürliches Raumklima, das den Kindern zugutekommt.

In beiden Geschossen der Kindertagesstätte sind Küchenzeilen in den Gruppenräumen integriert, sodass die Kinder auch an den alltäglichen Aufgaben teilhaben können. Sie sind aus Holzmodulen errichtet, die Fronten mit Linoleumbeschichtung hergestellt. Für die Arbeitsplatte und den rückseitigen Spritzschutz ist eine robuste Kunststoffplatte aus recycelten Yogurtbechern gewählt.

Neue Holztüren mit ESG-Glaseinsatz erfüllen Anforderungen an Barrierefreiheit und Transparenz, während sie sich harmonisch in die wiederhergestellte Raumgenerösität einfügen.

Durch den konsequenten Einsatz natürlicher Materialien, Baustoffe und Farben bietet die Villa mit ihrem naturnah gestalteten Garten ein ideales Umfeld für persönliche Entwicklung der Kleinsten.

Das Projekt zeigt auf, wie denkmalgeschützte Substanz durch behutsame Intervention und nachhaltiges Bauen nicht nur bewahrt, sondern zeitgemäß aktiviert werden kann.